Chortagebuch

Wie alles begann:

Im März 2012 veröffentlichte der  Verein Theaterruine St. Pauli einen Aufruf zwecks Bildung eines kleinen Chores. Zuerst wohl als Unterstützung und „Stimmen-Pool“ für die Inszenierungen der Theatergruppe gedacht, verselbstständigte sich die Sängertruppe sofort.

Zuerst mussten wir mal einen befähigten Menschen als Leiter finden, der sich für ganz wenig Lohn mit einem Haufen Leute rumzuschlagen bereit wäre, von denen die wenigsten sängerische Vorkenntnisse mitbringen. Wir trafen auf eine Musikerin, die in der ersten Zusammenkunft begeistert hochfliegende Pläne vor uns Interessierten ausbreitete und bereits zur zweiten Probe nicht mehr erschien. Künstler!

Ein paar der Chorwilligen trafen sich aber weiterhin, erstmal ohne Leiter.

Wir bespaßten uns gegenseitig mit Aufwärmübungen und Liedern, die wir irgendwo anders aufgeschnappt hatten. Am beliebtesten waren Kanons, die machen auch in nur einer Stimmlage viel her.

Als Probenraum war eigentlich die Hechtgalerie im Vorderhaus vorgesehen, aber durch Überschneidungen mit anderen Kursen mussten wir in den ersten Monaten die abenteuerlichsten Orte nutzen, um singen zu üben.

Mal war es der Hecht-Salon im Hinterhaus: das ging ja noch, allerdings standen wir ohne funktionierende Elektrik da, also auch ohne Licht. Nur gut, dass es Sommer und deshalb abends lange hell war!

Mal war es eine leerstehende Wohnung im Obergeschoss (eine besondere Herausforderung, ca. 20 Menschlein standen an den Wänden entlang aufgereiht durch zwei Zimmer, nicht alle sahen den Dirigenten.).

Besonders interessant auch die Probe in der Baustelle der St.-Pauli-Ruine. Zwischen Dreck, Holz und Geräten, nur mit einem Baustrahler beleuchtet, verbrachten wir eine atmospärische Probe mit wenigen Leuten im großen leeren Kirchenschiff.

Die improvisierteste Zusammenkunft hatten wir aber im Treppendurchgang von Vorder- zu Hinterhaus der Hechtstraße 32, wo ein Wille ist, ist auch ein Raum. Es musste nur immer jemand zappeln, damit der Bewegungsmelder der Lampe uns für voll nahm.

Trotz dieser Anfangsschwierigkeiten sind einige Gründungsmitglieder zusammen geblieben, andere Sangeswütige kamen hinzu und als wir den Musikstudenten Eric Weisheit als Leiter gewinnen konnten, kam neben räumlicher Kontinuität auch sängerische Stabilität in den kleinen Chor.

Eric hat sich inzwischen größeren und gewinnbringenderen ; ) Aufgaben zugewandt, bleibt uns aber freundschaftlich verbunden. Mit Clemens Weichardt schlug er sogar einen Nachfolger vor, mit dem wir auch sehr gut leben können – und er hoffentlich noch lange mit uns.