Wie pusht sich ein Chor nach Feierabend?

Man nehme einen müden Chor nach Dienst- und Unischluss und treffe sich an der Yenidze. Eine Prise Sonne ist von entscheidendem Vorteil.

Leichtes Bauchkribbeln bekommt die Chormenge schon bei der empfohlenen Auffahrt mit dem Fahrstuhl in luftige Dresdener Höhen. Man ignoriere das gefühlte Tropenklima und bestaune vielmehr die herrliche gläserne Kuppel und fühle sich ins alte Osmanische Reich versetzt.

Ein sprudelnder Chorleiter versucht nun die träge Masse in leichte Schwünge zu versetzen und animiert diese, eines erwachsenen Menschen nicht unbedingt würdige, Grimassen zu ziehen. Nunmehr sollte der Chor schon etwas mehr Agilität zeigen.  Ist diese noch nicht spürbar, kann der Chorleiter aufheiternde Konversation üben und zu Wasserkonsum anregen.

Geräuschintensives Schnattern kündet vom vollständigen Erwachen des Chores und von seiner absoluten Einsatzbereitschaft. Bei der sich anschließenden Aufstellprobe spürt der Chor in dieser  Phase schon die Erregung, die der Chorleiter nun gekonnt in kreative Bahnen lenkt. Die ersten Töne künden von einer ungewohnten aber guten Akustik. Der Chor spürt eine zunehmende Selbstsicherheit. Ist das schon der Push?

Bis zum Eintreffen der ersten Gäste kehrt der Chor noch einmal in sich und sinniert über den Dächern der Stadt. Das Bedienpersonal der Yenidze sollte trotz der Vorfreude auf das Kommende nicht gereizt werden. Man halte sich dezent im Hintergrund und warte, bis die Akteure gerufen werden.

Das Publikum hat derweil die Plätze im Zelt schon eingenommen. Der Chorleiter sprüht mit dem ganzen Charme seiner Jugend um sich und umgarnt routiniert die Gäste.

Nun erhebt der Chorleiter die Arme zum Dirigat und der Chor schmettert „Vecchie letrose“. Nun ist der Knoten endgültig geplatzt, die Stimmung im Chor steigert sich nun zur Ekstase.

Um der Erregung einigermaßen Herr zu werden, wechselt das Genre nun zu leidenschaftlichen Liebesliedern von Schumanns „Mich zieh es nach dem Dörfchen hin“, über das ganze Repertoire unserer französischen Lieder. Am Ende tröstet sich der Chor und ruft: „Komm, Trost der Welt“.

Spätestens an diesem Punkt ist das Tagesziel, leicht gehetzt Freches Smiley, als Emoticon :P,  erreicht. Zufriedenheit in allen Gesichtern und ein dankbares Publikum, welches nach Zugaben ruft.

Auf dem Weg nach Hause sind die Mühen des Tages schon vergessen. Was bleibt, ist ein weiteres schönes Chorerlebnis.

 

 

 

 

Wir sehen uns bald wieder am:

  • 17. Juni zur“Klingenden Stadt“
  • 21. Juni zur „Fête de la Musique“ jeweils in Dresden

Eure Singt-Paulis

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